Design Education

Design education : Studiare design attraverso lo studio per progetti ; Designausbildung konzipiert als Projektstudium; italienisch / deutsch; Hans Höger (Hrg.); Milano : Ed. Abitare Segesta, 2006; ISBN 88–86116–87-X ISBN 9788886116879 

Die Publikation hier verzeichnet: Bestände in der Katalogsammlung OCLC WorldCat

Da ich diese Publikation noch nicht einsehen konnte, hier die ausführliche Rezension von Thomas Edelmann aus dem designreport vom 12/2006

„Aufgeschlossen für Projekte

„Designer ist man 24 Stunden am Tag“, ist auf dem Zifferblatt einer Uhr zu lesen. Eines der thesenartigen Bilder, die am Anfang des Buches stehen. Das Zitat stammt von Kuno Prey, dem Gründungsdekan der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität Bozen. Im Herzen der Dolomiten konzipierte er 2002 einen neuen, dreisprachigen Studiengang. Nach 1.000 Tagen zieht die Fakultät Zwischenbilanz. Im Sommer 2005 lädt sie Designer und Hochschullehrer zu einer Tagung über Perspektiven und Herausforderungen der Designausbildung. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei das Projektstudium, das nicht nur in Bozen mittlerweile prägend ist. Eingeladen waren Referenten aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz, um Erfahrungen, Einschätzungen und Anregungen auszutauschen, wie Hans Höger, der Herausgeber des Buches, im Vorwort schreibt. Die Thesen der Beiträger, darunter Annemarie Burckhardt, Carola Zwick, Axel Kufus, Ed Annink, Ineke Hans, Uli Braun und Ezio Manzini, haben Studierende der Universität Bozen in Bildern am Anfang des Buches „teils verspielt, teils kritisch kommentiert“, so Höger. Die durchgehend zweisprachige Publikation (Italienisch/Deutsch) ist ansonsten ein reiner Textband. Der Verzicht auf Bilder wirkt erfrischend, da er die Vortragenden vor allzu simplen Werbepräsentationen bewahrt.

Die Beiträge beginnen mit dem Kapitel „Ausgangspunkte und Erfahrungen“; Michael Erlhoff berichtet über Entstehung und Erfolge der von ihm konzipierten Köln International School of Design. Im Gespräch mit Höger entwickelt Prey seine Vorstellung vom interdisziplinären Projektunterricht. Das Berufsbild des Designers verändere sich rapide, sagt Prey. Für eine Hochschule resultiere aus der Splittung zwischen Bachelor- und Master-Studiengängen vor allem in den ersten Jahren eine große Offenheit, die der „Entwurfskultur“ der angehenden Designer zugute kommen solle. „Die Studierenden, die hierher kommen, müssen sich aktiv auf die Entdeckung begeben“, fordert Prey, „nach den neuen, für unsere Zukunft relevanten Themen.“ Annmarie Burckhardt stellt den Projektunterricht als Teil des pädagogischen Denkens von Lucius Burckhardt (1925–2003) vor. Der Schweizer Soziologe hatte maßgeblich die Designstudiengänge in Saarbrücken und Weimar konzipiert und als Gründungsdekan geleitet. Seine Weimarer Abschiedspredigt von 1994 schließt das Kapitel ab. Die übrigen Abschnitte des Buches sind mit „Projektstudium als exemplarisches Lernen?“, „Interdisziplinarität“ und „Berufsbilder des Designs: die Zukunft“ überschrieben. Besonders lesenswert ist der Beitrag von Ezio Manzini „Design in einer verflüssigten Welt“, der die Gegenwartsanalyse des Soziologen Zygmunt Bauman aufs Design bezieht. Baumans These von der „flüssigen Moderne“, die alle scheinbar statischen Gegebenheiten der Gesellschaft nach und nach aufweicht, ja verflüssigt, wird in Teilen der italienischen Designszene intensiv diskutiert. Ettore Sottsass schließlich steuert ein Nachwort bei und plädiert für das Reisen, um „jenseits der häuslichen Geborgenheit (…) Überraschungen anzutreffen“. Ein gutes Designstudium kann, Neugier vorausgesetzt, eine dieser Reisen sein.

Thomas Edelmann

Hans Höger, Facoltà di Design e Arti, Libera Università di Bolzano (Hg.)

Design Education – Designerbildung konzipiert als Projektstudium

Mailand: Editrice Abitare Segesta, 2006, 173 Seiten, ISBN 88–86116–87-X, € 18″

(Ende Zitat)

Philip Zerweck

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Autor, Produktentwickler, Designlehrer und Designwissenschaftler

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