Systemtopologie: Vom Konzept zum Entwurf. Über eine Schwierigkeit in der Designdidaktik.

Ein Artikel von Felicidad Romero-Tejedor und Holger van den Boom aus der Zeitschrift Öffnungszeiten 8/99 (Mai 1999), Papiere zur Designwissenschaft, herausgegeben von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Der Artikel behandelt das Problem des Bruches im Entwurfsprozess zwischen undinglicher Konzeptphase und dinglicher Entwurfsphase, wobei die generelle Problematik von Methode als zu verfolgender Weg zu Anfang thematisiert wird. Detailliert wird die Konzeptphase als die Erstellung eines semantischen Systemkonzeptes sowie die Entwurfsphase als ästhetische Geometrielösung erläutert. Zur Überbrückung dieses Bruches wird die Systemtopologie als Bindeglied vorgeschlagen und dargestellt, wie die Topologie unsere Wahrnehmung und auch Kreativität beherrscht. Der Artikel endet mit:

„Die Topologie interessiert sich für die Teilungen, die Ordnungen und Anordnungen, die Nachbarschaften, die strukturellen Verknüpfungen der Subsysteme des Systems. Und die Topologie ist dasjenige Bestimmungsfeld des Designs, woran sich die Handlungsüberprüfung festmachen läßt. Hauptziel ist, den Gebrauch für die Menschen effektiver zu machen. […] Entwerfen ohne topologisches «Sehen» ist eigentlich nur ästhetisch zu rechtfertigen, nicht anthropologisch. Die menschliche Kognition arbeitet topologisch – und dies ist schon in frühester Kindheit der Fall: […] Dieser Primat der Topologie vor der Geometrie bleibt auch dem Erwachsenen erhalten. Leider scheinen viele Designer nicht zu wissen, wie sie selbst ihre Welt erfassen; ihr Entwerfen geht offensichtlich von der irrigen Hypothese aus, der Mensch erfasse die Welt geometrisch. Wir müssen in Zukunft lernen, im Design der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen, daß die Topologie kognitiven Vorrang vor der Geometrie und deren Ästhetik hat.“

Auch wenn der Artikel keine konkreten Hinweise dazu gibt, wie das behandelte Thema gelehrt werden kann, und auch wenn die Sprache sperrig ist, so ist er dennoch sehr gut. Für mich ist hier in selten nachvollziehbarer Art das Schisma des Design zwischen Konzept und Form erklärt und auch dessen Überwindung. Für die Didaktik ist ein Weg aufgezeigt, in der Lehre klarer den Übergang vom Konzept zur Form zu vermitteln. Für mich bedeutet dies, die Studierenden sich schneller vom Konzept zu lösen und sich doch später mit der gerinnenden Form festlegen zu lassen. Ein Problem, dass viele Lehrenden kennen. Erkenntnistheoretisch absolut ein Gewinn.

hier der Artikel als PDF >>

eingestellte mit Erlaubnis und ermöglicht durch Felicidad Romero-Tejedor. Danke für die Zusendung der Printversion.

Philip Zerweck

Philip Zerweck

Autor, Produktentwickler, Designlehrer und Designwissenschaftler

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