Debatte: Designausbildung

stylepark.com ist nun eher durch die Huldigung des Design als Veredelung des Savoir-vivre bekannt, jedoch finden sich auch immer wieder Beiträge, die sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Stand des Design auseinandersetzen.

Angestoßen durch den Artikel, ja die Philippika „Design wird zur Hilfsdisziplin der Kunst“ von Thomas Edelmann, entbrannte zwischen Februar 2012 und April 2012 eine Debatte zum Thema Designausbildung. Vieles dreht sich dabei vordergründig um die Ausbildung an der HfbK Hamburg, doch sind die ausgetauschten Standpunkte sehr wohl für ganz Deutschland und vor allem hier den Kunsthochschulen gültig.

Debatte: Designausbildung >>

die Beiträge im Einzelnen:

    • „Design wird zur Hilfsdisziplin der Kunst“, von Thomas Edelmann
      Neue Tendenzen in Lehre und Studium nehmen Einfluss auf künftiges Design. In Hamburg ist Design inzwischen nur noch Teil des Kunststudiums. An anderen Kunsthochschulen wird es zum randständigen Fachbereich. Von einer Gegenwehr der Designer aber ist nichts zu sehen. >>

 

    • „Warum ist die Banane krumm? oder ‚Was ist Design?‘ „, von Friedrich von Borries
      „Wird Design zur Hilfsdisziplin der Kunst?“ fragte Thomas Edelmann in einem Artikel auf dieser Seite, in dem er sich Gedanken über die Praxis der Designausbildung an Kunsthochschulen macht. Konkret angesprochen wurden dabei auch aktuelle Veränderungen an der HfbK Hamburg. Friedrich von Borries nahm den Artikel zum Anlass, um seine Vorstellungen von Design deutlich zu machen.  >>

 

    • Wege aus der „freiwilligen Selbstverengung“ von Thomas Edelmann
      Die Designausbildung an der HfbK Hamburg wurde neu geordnet, wir berichteten über die Implikationen. Mit der breit angelegten Veranstaltung „Warum gestalten?“ lotete der Studienschwerpunkt Design nun unterschiedliche Perspektiven aus. Von der radikalen Stadtkritik bis zum multiperspektivischen Entwickeln. >>

 

    • „Neue Formate? Her damit.“, von Egon Chemaitis
      Sind Lehrende, die selbst kaum nennenswerte Entwurfspraxis vorweisen können, in der Lage auszubilden? Diese Frage stellt Egon Chemaitis, pensionierter Professor für Design-Grundlagen an der Universität der Künste Berlin. Vier Gründe benennt er, die aus seiner Sicht zur Verschiebung der Designausbildung in Richtung Kunst beigetragen haben. >>

 

    • „Was kann Design? Replik auf einen Bananenkritiker“,  von Thomas Wagner
      Friedrich von Borries hat mit Bananen offenbar so seine Probleme. Es kann also nicht schaden, genau zu lesen, was die Frucht tatsächlich mit Design, niederen Empfindungen und Kunst zu tun hat – und welcher Begriff von Design am Ende aus der Bananenschale schlüpft. >>

 

    • „Für manche wird es offenbar zu kompliziert“, von Georg-Christof Bertsch
      Designer sollten sich nicht lächerlich machen, indem sie Hilfskünstler werden wollen, meint Georg-Christof Bertsch, Honorarprofessor für Interkulturelles Design an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Vielmehr lägen die fachlichen Herausforderungen in der zunehmenden Komplexität des Berufes Industriedesign selbst. >>

 

    • „Vorrang für das Denken“, von Helmut Staubach
      Die Unbestimmtheit der Grenze zwischen Kunst und Design sieht Helmut Staubach, Professor für Produkt- und Transportationdesign an der Universität Berlin Weißensee, als Chance für beide Disziplinen. >>

 

    • „Design als gesellschaftliche Kraft?“, von Harald Gründl
      Angeregt von seinen Lehrerfahrungen an europäischen Designhochschulen bringt Harald Gründl vom Designbüro Eoos vier Thesen zum Design in die Ausbildungsdebatte ein. >>

 

    • „Geplagt von der Idee der Rebellion“, von Michael Erlhoff
      Kunst hat ein Problem mit dem Design, postuliert Michael Erlhoff, Professor für Designtheorie und -geschichte an der Köln International School of Design. Er nimmt die gesellschaftliche Wahrnehmung von Design in den Blick und hofft auf eine Zermürbung der Technokratie. >>

 

    • „Design als brotlose Kunst?“, von Oliver Schweizer
      Wo Kunst drin sei, solle nicht Design draufstehen, meint Oliver Schweizer. Der Produktdesigner, der die Schweizer Design Consulting leitet und regelmäßig an Designhochschulen lehrt, sieht in der täglichen Praxis Bedarf für solides Handwerkszeug. >>

 

    • „Nähe und Distanz zu den gesellschaftlichen Umständen“, von Jesko Fezer
      Jesko Fezer ist seit dem Wintersemester 2011/12 Professor für Experimentelles Design an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seiner Meinung nach sei Entwerfen nicht mehr oder weniger als die gestalterisch projektive Auseinandersetzung mit der Welt – und eine Kunsthochschule ein geeigneter Ort der Ausbildung dazu. >>

 

  • „Raffinierter werden!“, von Volker Albus
    Volker Albus, der Produktdesign an der HfG Karlsruhe lehrt, plädiert in der Designausbildung für ein extrem vielfältig angelegtes Themenangebot. Nur so ließe sich den Verwerfungen der gesellschaftlichen, technischen, ökologischen und ökonomischen Gemengelage Rechnung tragen, die das Design heute herausfordert. Mit dem Ausrufen der großen künstlerischen Freiheit allein sei das nicht zu erreichen. >>

(Ende der Zitate; alle Beschreibungen entstammen der Site stylepark.com)

Meine erste Reaktion war: nicht schon wieder die sittsam bekannte Diskussion Kunst oder Kommerz. Doch die Beiträge werden deutlich handfester, als üblich und nageln das Design fest in die berufliche und gesellschaftliche Realität:
„Designer, macht euch nicht lächerlich, indem ihr Hilfskünstler werden wollt!
Im Neuen Deutschen Design der 80er Jahre hatten wir eine erste Welle von Designentwürfen mit künstlerischem Entwurfsgestus. Diese waren jedoch zumeist in die dezidierte Kritik des – Ende der 1970er Jahre noch ideologischen – Funktionalismus eingebettet. Sie hatten also eine designimmanente Funktion und Stoßrichtung. Wenn heute so manches Designprojekt nicht nur aussehen möchte wie Salonkunst, sondern auch unbeholfen in Kunstdiskursen herumalbert, dann ist das regelrecht abstoßend und ein Elend.“
so Georg-Christof Bertsch in seinem Beitrag.

Die Realität des Design als unverzichtbare Disziplin einer industriellen, informationellen und vor allem arbeitsteiligen Gesellschaft mag nicht jeder so sehen, insbesondere jene, die die Integration (oder Vereinnahmung) des Design durch die Kunst betrieben. Die Freie Kunst entzieht sich schon lange einer „Rechtfertigung“ vor der Gesellschaft, häufig mit dem Hinweis auf den Art. 5, Abs. 3 GG oder die Negation des Konsum. Für Design gilt dies jedoch nicht und so hat eine Designdidaktik die gesellschaftliche Aufgabe der Designer jenseits des subventionierten Kulturbetriebes anzuerkennen.

Philip Zerweck

Philip Zerweck

Autor, Produktentwickler, Designlehrer und Designwissenschaftler

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Philip Zerweck

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Autor, Produktentwickler, Designlehrer und Designwissenschaftler

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