Gestalt theory in lighting design

Die Autorin Anusha Muthusbramanian, führt in ihrem Artikel in der Public Lighting Design in die deutsche Gestalttheorie der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrunderts und deren Bedeutung für das Lichtdesign der Gegenwart und damit implizit dessen Ausbildung ein. Die Kenntnisse dieser grundlegenden Designfundamente, so die Autorin, sind unabdingbar für das Gelingen von architektonischen Lichtdesignvorhaben. Ich finde diesen Artikel weniger wegen seiner durchaus gelungenen historischen, wie anschaulich methodologischen Einführung in die Thematik der Gestalttheorie sowie deren Inbezugsetzung und Verankerung in das Themenfeld Architainment / Lichtdesign bedeutsam. Wobei es sich allein schon deswegen lohnte den Artikel zu lesen, auch für Nicht-Lichtdesigner. Ich finde ihn vielmehr bedeutsam, da er eines der zunehmend aufkommenden Belege dafür ist, dass in den Paralleldisziplinen des Design eine deutlich auszumachende Anerkennung der Bedeutsamkeit von elementaren Grundlagen des Design auszumachen ist. Wir finden dies in den zahllosen Research by / through Design Überlegungen auf oft sehr theoretischer, anwendungsferner Ebene und hier obwohl theoretisch den Spannungsbogen von Wolfgang Köhler über Max Wertheimer, von der allgemeinen Gestalttheorie bis hin zur detailierten Darlegung etwa der Gestaltgesetze spannend vollständig angewandt. Muthusbramanian leitet zudem schlüssig ab, wie die Grundlage Gestalttheorie Charakter aber auch Technik und Einsatzmöglichkeiten im Bereich Architainment / Lichtdesign beeinflusst.
Wenn ich oben schreibe, dass der Artikel auch für nichtlichtgestaltende Designer lesenswert ist, dann vor dem Hintergrund der Vermutung, dass meine Alma Mater nicht die einzige Fakultät war, die diesen Bereich in den 80/90er Jahren in der Lehre beinahe vollständig zu Gunsten einer selbstbestimmten freien künstlerischen Entfaltung der Studierenden ausgeblendet hat. Nicht nur weil ich als Dozent regelmäßig Vorlesungen zu dem Thema halte und es daher naturgemäß etwas ernster als andere Themen nehme, sehe ich in der gegenwärtigen Designausbildung immer noch unterrepräsentiert. Schön also, wenn hier aus angrenzenden Disziplinen Impulse zurückkommen sich mit den eigenen Grundlagen zu beschäftigen.

Gestalt theory in lighting design/Anusha Muthusbramanian; Public Lighting Design Magazine PLD 80/81, Dez 2011, Via Verlag, Jan 2012, S.38-41

Guido Kühn

2001-2013 Professur AV Mediendesign an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Hall | 2011-2016 Dozent für Designtheorie und Praxis, AV Medienkommunikation und Social Media Management an der Hochschule Heilbronn | Seit 2015 Professur Cross Media Design an der SRH Hochschule Heidelberg | mit Philip Zerweck Gründer von Plattform und DGTF Themengruppe Designdidaktik. de

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