Grundprinzipien und Erfolgsfaktoren guter Lehre

Das Zentralinstitut ProLehre der Technischen Universität München ist als Teil der Carl von Linde-Akademie  mit der Aufgabe betraut, die Lehrqualität an der überwiegend technisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Hochschule zu fördern. In diesem Zusammenhang hat suie gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Zusammenstellung der aus Ihrer Sicht geeigneten Grundprinzipien und Erfolgsfaktoren guter Lehre zusammengestellt. Natürlich richtet sie sich in erster Linie an die Gegebenheiten einer technisch-naturwissenschaftlichen Universität. Da mir bislang ähnliches von einer Gestaltungshochschule nicht bekannt ist, möchte ich es hier dennoch vorstellen. Und sei es als Blaupause oder bloße Anregung für eine designspezifische Handreichung. Überdies ist die Zusammenstellung der TUM  bestens strukturiert und für alle Hochschullehrenden eine lohnende Lektüre.
Sie beschäftigt sich eingangs mit dem Selbstverständnis moderner Lehre, die als Wechsel von der Wissensvermittlung zur abgestuften Lernergebnisabstimmung verstanden wird.
Dieser Paradigmenwechsel ist wichtig, weil Lernen sich nicht automatisch aus der Lehre ergibt, sondern in einem komplexen Verhältnis dazu steht; die moderne Hochschulelehre fokussiert über die Tätigkeit des Lehrens hinaus die Frage wie der tatsächliche Lernprozess gefördert werden kann.“ (S.8). Hieraus folgern die Autoren die Notwendigkeit einer Kompetenzorientierung. Diese mit dem Ziel „träges Wissen“ zu reduzieren und Wissen jederzeit in Handeln zu überführen. An dieser Stelle rechnen sie auch gleich mit der tradierten Lehrform der Hochschule, der Vorlesung als alleinige Vermittlung ab. „Studierende erwerben in Vorlesungen viel Wissen, das sich nur bedingt in Handlungskompetenzen niederschlägt, viele klassische Prüfuingsformate verstärken diesen Effekt“ (S.10). Man müsse sich vermehrt an dem orientieren, was der Absolvent später brauche und weniger an dem was die Hochschule in sich kanonisiert trägt. Auch wenn man hier ausdrücklich nicht Faktenwissen gegen Kompetenzen stellen will, erstere als notwendige Basis versteht, begreifen die Autoren Kompetenzen als Ergebnis von Handlungserfahrungen, die daher nur begrenzt lehrbar sind.
Zur Lehrpersönlichkeit wird mitgegeben, dass es neben der Säule fachlicher Expertise gleichberechtigt die des sozialen Verständnisses und der Authentizität gibt, damit die Lehre dem Lehrenden und dem Lernenden Freude bereitet. Selbstverständlich erwartet man motivierte Lehrpersönlichkeiten die auf interessieret Studierende treffen. Jedoch sei die Wirklichkeit auch an der TUM oft das genaue Gegenteil. Um hier nicht in einen Kreislauf zu geraten benennt und erläutert die Zusammenstellung Faktoren, die eine beiderseits befruchtende Lehre ausmachen.
Das Modell des Contructive Alignment beschreibt die Abstimmung von Lernergebnis, Lehrveranstaltung und Lernkontrolle. In Folge finden sich praktische Reflexionen für Lehrende zur Aktivierung der Studierenden, zur Lehrdurchführung, zur Selbstverortung von Lehrenden und Lehrfach, Betreuungen bis hin zu Prüfungen.

Mein persönliches Fazit: Lesenswert für jeden aktiven Hochschullehrer.

Frei zu beziehen als Download an der TU München, Institut ProLehre:
Link zur Publikation als PDF

Guido Kühn

2001-2013 Professur AV Mediendesign an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Hall | 2011-2016 Dozent für Designtheorie und Praxis, AV Medienkommunikation und Social Media Management an der Hochschule Heilbronn | Seit 2015 Professur Cross Media Design an der SRH Hochschule Heidelberg | mit Philip Zerweck Gründer von Plattform und DGTF Themengruppe Designdidaktik. de

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2001-2013 Professur AV Mediendesign an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Hall | 2011-2016 Dozent für Designtheorie und Praxis, AV Medienkommunikation und Social Media Management an der Hochschule Heilbronn | Seit 2015 Professur Cross Media Design an der SRH Hochschule Heidelberg | mit Philip Zerweck Gründer von Plattform und DGTF Themengruppe Designdidaktik. de

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