Kritiker und Befürworter – Die Wahrnehmung des Bologna-Prozesses

Kritiker und Befürworter – Die Wahrnehmung des Bologna-Prozesses durch Professorinnen und Professoren. Versuch einer qualitativen Befragung durch Tobias Brändle und Björn Wendt. Artikel in Beiträge zur Hochschulforschung 1|2014.

Der Bolognaprozess ist fraglos der größte Reformansatz in der Hochschullandschaft der letzten Dekaden und ebenso fraglos der unter den unterschiedlichen Akteuren von den Studierenden bis zu den Bildungspolitikern am kontroversesten diskutierteste. Dies betrifft auch und gerade Hochschulen mit Designschwerpunkt, befinden diese sich doch traditionell mehrheitlich in ihrer eigenen und fremden Verortung auf der Schnittstelle zwischen den eher weichen Lehransätzen der Akademien und den eher gefestigten der Natur- und Sozialwissenschaften.

Bologna-Prozess: wie nehmen Professorinnen und Professoren diesen wahr?

Von vielen Akteuren, so auch von mir, werden die Veränderungen in der gelebten Lehrwirklichkeit im Zuges des fortschreitenden Studienstrukturprozesses durchaus kontrovers betrachtet. Daher ist es auch und gerade für Lehrende im Designkontext nicht nur von rein akademischen Interesse zu sehen, wie Kollegen disziplinenübergreifend diesen Wandel beurteilen. Dies auch wenn unter den 1171 befragten Professoren augenscheinlich keine aus dem Bereich Design zu kommen scheinen1.

Die Befragung versucht hier qualitativ eine Lücke zu schließen, die sich bislang zwischen individueller Meinungsäußerung und politischem Postulat auftat.

So ist es durchaus bedeutsam, und spricht für die immer noch vorhandenen Identifikationsprobleme seitens der Professoren mit dem Prozess, wenn z.B. die fundamentale Elemente des Bolognaprozesses (Sinn, bildungspolitische Ideale und Auswirkung auf die allgemeine Sitution der Hochschulen) durchweg negativ, tragende Aspekte (Modularisierung, Leistungspunktesystem, Gestufte Studienstruktur) hingegen durchweg positiv bewertet werden. Das mündet konsequenter Weise in einer im Gegensatz zur generalisierten allgemeinen Einschätzung heterogenen, gestreuten Bewertung der Ziele. Allerdings nicht ohne in sich auch hier widersprüchliches zu Tage zu bringen. Bewerten etwa die Befragten die Resultate der Einführung des Leistungspunktesystemes überwiegend deutlich positiv, so erbringt eben dieser Aspekt in der Befragung nach ihrer Zustimmung zu den Zielen ein wenn auch breitgestreutes so doch in Summe ablehnendes Ergebnis.

So legen die Autoren richtigerweise in der Analyse einen Schwerpunkt auf dessen Hinterfragung und den Versuch einer Ableitung indem sie Kritiker und Befürworter betrachten und diese in ihren Positionen zu differenzieren suchen.

Kritiker und Befürworter des Bologna-Prozesses/ Brändle, Wendt; Bayrisches Staatsinstitut zur Hochschulforschung und Hochschulplanung IHF, Beiträge zur Hochschulforschung  1/2014, ISSN 0171-645X

Link zum PDF des Artikels auf der Seite des Bayrischen Institutes zur Hochschulforschung

 

1Siehe Kapitel Untersuchungsdesign, S. 51 mitte.

 

Guido Kühn

2001-2013 Professur AV Mediendesign an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Hall | 2011-2016 Dozent für Designtheorie und Praxis, AV Medienkommunikation und Social Media Management an der Hochschule Heilbronn | Seit 2015 Professur Cross Media Design an der SRH Hochschule Heidelberg | mit Philip Zerweck Gründer von Plattform und DGTF Themengruppe Designdidaktik. de

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