Das EduLab am Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW Berlin

ein Gastbeitrag von Birgit Bauer und Angela Weißköppel vom Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW Berlin

Wir baten Birgit Bauer einen Gastbeitrag zu dem EduLab zu schreiben, von dem wir hörten. Hier nun ihr Beitrag:

Wie wollen wir Lehren? Das EduLab am Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW Berlin

Wie viele Fachhochschulen hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin >>Website der Hochschule eine bewegte jüngere Vergangenheit, in der sich mittels „Aufwuchs“ die Studierendenzahlen massiv erhöht haben, zusätzliche Lehrende eingestellt wurden, das Bachelor-Master-System samt Modularisierung in die Tat umgesetzt wurde usw. Die Gruppen sind größer, das Tempo durch die Zahl der Prüfungen und die gestiegenen Verwaltungsanforderungen höher. Und die räumlichen Gegebenheiten sind oft auch nicht so flexibel, wie man es sich aus der Gewohnheit wünschen würde. Diese Situation bringt Vor- und Nachteile mit sich: Einerseits besteht die Gefahr, dass das Lernen trotz der im Bologna-Prozess geforderten Kompetenz- und Studierendenorientierung verschult und passiver wird. Andererseits sind die Lehrenden angesichts dieser Entwicklungen vor die Aufgabe gestellt, ihre Lehre zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Wird die Befähigung zur Lehre in den Berufungsverfahren durch Lehrerfahrung und -konzepte abgefragt, so gibt es jedoch keine klaren didaktischen Qualitätsmaßstäbe oder gar “Patentlösungen”, die sich in der neuen Stellung der Hochschullehre unter den neuen Bedingungen vereinheitlichen ließen. Blickt man auf die Designlehre und ihre Methoden, so sind diese besonders stark mit Paradigmen einer Ateliersituation verbunden. Hindernisse, die im Rahmen der eingangs erwähnten Anforderungen entstehen, müssen von den Lehrenden wie den Studierenden in der Regel individuell gelöst werden.An der HTW Berlin stehen den Lehrenden im Rahmen des Projekts excelLuS >>Website des Projektes zur Qualitätsentwicklung in der Lehre wissenschaftliche Mitarbeiter_innen zur Seite, die bei der Konzeption und Realisierung von Lehr-Lern-Projekten Unterstützung bieten. Am Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW Berlin wird dabei der Blick verstärkt auf die Design-Lehre gerichtet, auf ihre verschiedenen Facetten und Ziele. Ausgangspunkt bilden dabei die Frage nach der “idealen” Lehr-Lern-Situation sowie die Erschließung von Lehrmethoden. Dies geschieht zum einen mit dem Ziel, die bereits vorhandenen sehr guten Lehr-Lern-Praktiken zu erforschen und so eine Plattform für eine Weiterentwicklung des didaktischen Wissens und der Qualität der Lehre zu etablieren. Zweites Ziel ist es, die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie die (eigene) Lehre reflektiert und erforscht werden kann (im Sinne des Scholarship of Teaching and Learning >>Download des Artikels als PDF), abzugleichen. Eine Debatte, die die starken Veränderungen der Praxis und die disziplinäre Unschärfe von Design in Form von sehr unterschiedlichen Positionen in diesem Punkt widerspiegelt und deshalb dem Nachdenken über die Lehre eine so hohe Brisanz verleiht.

Projekt EduLab

Um diesen Überlegungen und Forschungsbewegungen einen Raum zu geben, wurde am Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW Berlin das Projekt EduLab ins Leben gerufen. Hier kann das vielfältige vorhandene Wissen über Lehre und Lernen ausgetauscht und gesammelt werden, um es letztlich in produktive Leistung zu übersetzen. Methodisch ist dabei der Ansatz des Design-Based Research (>>Reader online auf yumpu.com) leitend, mit dem die Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen als Designprozess analysiert und erforscht werden kann. In einem ersten Schritt ging es darum, die Kommunikation über Lehrmethoden zu erleichtern und den Lehrenden auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hilfestellungen zu bieten. Dazu gab es individuelle Gespräche sowie Workshops, die die Erfahrungen, Ideen und besonderen Fragen der Lehrenden im Hinblick auf die Weiterentwicklung und Erforschung ihrer Lehre zutage fördern sollten. Dabei sucht das EduLab stetig nach Formaten, die die hohe Arbeitsbelastung der Lehrenden nicht durch zusätzliche Meetings strapaziert, sondern niedrigschwellige und passgenau sind. So werden individuelle Angebote geschaffen, wie z.B. Hilfestellungen bei der Dokumentation der Lehre, bei wissenschaftlichen Beiträgen über die Lehre und Coaching- und Workshopangebote zu didaktischen Fragen. Im Weiteren macht es sich das EduLab zur Aufgabe, die Schnittstellen von forschendem Lernen, forschendem Lehren und Designlehre zu erkunden und neue Formate und Methoden zu kreieren, zu reflektieren und diese Ergebnisse zu publizieren.

Literatur auf die im Text verwiesen wird:

Scholarship of Teaching and Learning: Konzept, Geschichte, Formen, Entwicklungsaufgaben / Huber, L. – In: Forschendes Lehren im eigenen Fach. Scholarship of Teaching and Learning in Beispielen. / Hrsg. von Huber, Ludwig; Pilniok, Arne; Sethe, Rolf; Szczyrba, Birgit; Vogel, Michael: Bielefeld : Bertelsmann 2014, S. 19-36 – URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-101290
>>Download als PDF

Reader zum Thema entwicklungsorientierte Bildungsforschung. / Reinmann, G.; Zeppelin Universität Lehrstuhl für Hochschuldidaktik 2015
Der Reader stellt neun Artikel zusammen, die Gabi Reinmann zwischen 2005 und 2015 zum Thema „entwicklungsorientierte Bildungsforschung“ allein oder mit Co-Autoren verfasst hat.
>>Online verfügbar (zur Zeit der Artikelerstellung nicht erreichbar)
>>PDF zum Download (zur Zeit der Artikelerstellung nicht erreichbar)
>>Reader online auf yumpu.com

 

Birgit Bauer

Birgit Bauer

Designerin und Freie Autorin, u.a. für Designreport, Publikationen des Deutschen Fachverlags, Artnet. Seit 2007 Mitglied der Arbeitsgruppe Design-Kritik am Internationalen Design Zentrum Berlin (newIDZ). Seit Oktober2012 Professorin für Designkonzeption an der HTW Berlin.

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Designerin und Freie Autorin, u.a. für Designreport, Publikationen des Deutschen Fachverlags, Artnet. Seit 2007 Mitglied der Arbeitsgruppe Design-Kritik am Internationalen Design Zentrum Berlin (newIDZ). Seit Oktober2012 Professorin für Designkonzeption an der HTW Berlin.

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